Lance Gregorchuk (LG)

Dirk Tullmann (DT)

 

LG: Hallo Dirk. Bitte stell Dich unseren Lesern doch kurz vor.

DT: Ja gerne. Also, mein Name ist Dirk Tullmann. Ich bin Jahrgang 1969. Ich wohne im schönen Hannover. Hauptberuflich bin ich im Öffentlichen Dienst tätig. Neben einer kaufmännischen Berufsausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann habe ich noch eine weitere Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration erfolgreich absolviert. Ich bin Vater eines nunmehr erwachsenen Sohnes. Ich bin begeisterter Sportler. Ich liebe die regelmäßige Bewegung und Aktivität als körperlicher Ausgleich zum Berufsalltag. Ich gehe gerne Laufen, Radfahren und ins Fitnessstudio. Meine großen Leidenschaften sind das Tauchen, Krav Maga und Muay Thai Thaiboxen.

LG: Welchen sportlichen bzw. kampfsportspezifischen Hintergrund hast Du?

DT: Ich habe als Kind viele Jahre lang leistungsorientiert geturnt. Im zarten Alter von 13 Jahren bin ich dann erstmalig mit dem Kampfsport in Form des Aikido in Berührung gekommen. Von da an haben mich die fernöstlichen Sportarten immer wieder in meinem Leben begleitet, mehr oder weniger intensiv, und ich habe im Laufe der Jahre in eine Vielzahl von Kampfsportarten, Kampfkünste und Selbstverteidigungssysteme „hineingeschnuppert“. Dazu zählen unter anderem:

·       Thai- und Kickboxen

·       Kali und Jeet Kune Do

·       Ving Tsun / Wing Chun

·       Anti Terror Kampf (ATK)

·       Jiu Jitsu

·       Bujinkan Ninpo Budo (Bujinkan Ninjustu)

·       Krav Maga

LG: Was ist Krav Maga und woher kommt es?

Krav Maga ist ein hochmodernes und äußerst effektives Selbstverteidigungssystem. Krav Maga wurde ursprünglich als Nahkampfsystem für die israelische Armee entwickelt. Später dann wurde Krav Maga auch an Zivilpersonen unterrichtet. Hierzu wurden die Trainingsprogramme an die Bedürfnisse der zivilen Selbstverteidigung angepasst.

LG: Wann bist Du zum Krav Maga gekommen?

Ich hatte meine ersten Berührungen mit Krav Maga im Jahre 2013. Ich war von Anfang an begeistert von der Effektivität dieser Selbstverteidigungsmethode. Bereits nach wenigen Monaten des Trainings habe ich für mich den Entschluss gefasst, dieses Selbstverteidigungssystem umfassend zu trainieren. Ich habe dann 2015 mit meiner ersten Trainerausbildung im Krav Maga begonnen und habe diese 2015 auch erfolgreich zum Abschluss gebracht. Seitdem unterrichte ich Krav Maga. Im Jahr 2017 habe ich dann meine Schule, ProCon-Selbstverteidigung, in Hannover gegründet.

LG: Für was steht ProCon?

ProCon steht für Protection Concepts. Ich unterrichte in meiner Schule nur effektive Selbstverteidigungssysteme.

LG: Warum unterrichtest Du nur Selbstverteidigung und keine Sportarten?

DT: Mein Interessenschwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren schlichtweg verlagert. Früher habe ich Kontaktsportarten intensiver trainiert. Mein Interesse an effektiver Selbstverteidigung ist mit den Jahren immer größer geworden. Dies liegt sicherlich auch darin begründet, dass ich viele Jahre in der Sicherheitsdienstleistungsbranche tätig gewesen bin. 

Während dieser Zeit habe ich immer nach einer effektiven und kompromisslosen Selbstverteidigungsmethode gesucht. Durch das Training von Kampfsportarten kommt man in einer Notwehrsituation bzw. Verteidigungssituation doch schnell an seine Grenzen. Sportarten bereiten doch eher auf den sportlichen Wettkampf vor und nicht auf eine Notwehrsituation. Aufgrund der zunehmenden Verrohung und Gewaltbereitschaft in unserer heutigen Gesellschaft ist es meines Erachtens wichtig geworden, den Umgang potenzieller Gefahrensituationen zu trainieren und auf solche Ereignisse vorbereitet zu sein. Meine persönlichen Erfahrungen sowie die Kriminalstatistiken des Bundes und der Länder spiegeln diese Notwendigkeit wider.

LG: Warum hast Du Dich auf Krav Maga spezialisiert? Was ist das Besondere an Krav Maga für Dich?

DT: Wie bereits erwähnt war ich bereits viele Jahre auf der Suche nach einer effektiven Methode zur Selbstverteidigung. Mit Krav Maga habe ich dann für mich die „Essenz“ im Bereich der Selbstverteidigung gefunden (zumindest bis jetzt). Krav Maga ist keine Sportart, sondern ausschließlich ein effektives Selbstverteidigungssystem. Durch die ausgereifte Trainingsmethodik ist Krav Maga leicht und schnell zu erlernen. Ich kenne bis dato kein vergleichbares Selbstverteidigungssystem, welches den Probanden in kürzester Zeit Verteidigungsfähig macht. Krav Maga kennt keine sportlichen Regeln. Für mich ist Krav Maga nicht einfach nur das „stumpfe“ Lernen von 1000 Antworten auf 1000 mögliche Fragen, sondern vielmehr das Verstehen von Methoden und Konzepten. Im Klartext bedeutet das für mich: Wir trainieren im Krav Maga ein Minimum an Antworten, was uns dazu befähigt ein Maximum an Fragen zu beantworten. Krav Maga ist dadurch auch eine ökonomische Selbstverteidigungsmethode. Wir trainieren wenige Techniken mit einer hohen Wiederholungsfrequenz. Durch diese Trainingsmethode werden die Bewegungsabläufe und Bewegungsmuster mit der Zeit im Unterbewusstsein abgespeichert. Ist dieser Trainingszustand irgendwann erreicht, spielt es keine Rolle mehr, von wo ein Angriff erfolgt. Unser Unterbewusstsein wird dann automatisch die entsprechenden und „programmierten“ Abwehrreflexe auslösen und die entsprechenden Verteidigungshandlungen in die Wege leiten. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir ausschließlich grobmotorische Techniken verwenden, d.h. dass die trainierten Techniken auch unter hohem Stress, wie dies bei einer Notwehrsituation der Fall ist, abrufbar sind. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist der taktische Bereich. Da Krav Maga seinen Ursprung im militärischen Sektor hat, spielen taktische Trainingselemente eine wichtige Rolle. Auch im zivilen Bereich der Selbstverteidigung legen wir großen Wert auf taktiles Training. Hierzu zählen Deeskalationstraining, der Einsatz der Stimme, ein selbstbewusstes Auftreten usw. Diese Elemente sind überaus wichtig um von potenziellen Aggressoren oder Gewalttätern nicht als „Opfer“ angesehen zu werden. Bei all unseren Bestrebungen im Training präferieren wir jedoch den rechtzeitigen Ausstieg aus einer Konfliktsituation. Ich könnte hier sicherlich weitere Aspekte anfügen, jedoch würde das den Rahmen sprengen.

LG: Wie ist Dein Training aufgebaut?

DT: Mein Training beginnt grundsätzlich mit einem Warm-up. Bestehend aus Ausdauertraining, Krafttraining (Kraftausdauer) und einem kurzen Stretching. Hierdurch erwärmen wir den Körper optimal und schützen unsere Trainierenden vor muskulären Verletzungen. Dem Warm-up folgt dann ein intensiver Technikteil, gefolgt von einer Drillsequenz. Den Abschluss bildet dann eine kurze Cool Down Phase zum Abwärmen des Körpers und um den Kreislauf und den Puls wieder herunter zu bringen.

LG: Was ist das Besondere an Deinem Training oder besser was unterscheidet Dich von anderen Krav Maga Schulen in Deiner Region?

DT: Neben dem Technik- und Drill-Training lege ich sehr viel Wert auf körperliche Fitness. Krav Maga ist jedoch nicht als Fitnesssportart zu verstehen. Ich greife bei meinen Trainingseinheiten auf moderne und sportwissenschaftlich fundierte und belegte Trainingsmethoden zu. Dabei verwenden wir im Kraft- und Fitnesstraining ausschließlich Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Der Vorteil der ausgewählten Übungen ist, dass nicht nur einzelne Muskeln isoliert trainiert werden, sondern vielmehr vollständige Muskelketten. Dieses Training stellt somit ein vollständiges Workout dar (Ganzkörperworkout). Professionelle Anwendende, wie z.B. Soldaten, Polizisten etc., benötigen Trainingsmethoden und Trainingsprogramme, die sie überall anwenden und umsetzen können, um körperlich fit und in Form zu bleiben. Jeder Trainierende bekommt bei uns somit Programme an die Hand, die unabhängig vom Krav Maga Training auch zu Hause oder im Urlaub problemlos trainiert werden können. Die Trainingsintensität kann der Trainierende dabei eigenständig steuern. Warum ist mir diese Form von Training so wichtig? Wer körperlich fit ist, ist in einer Hochstresssituation eher in der Lage überhaupt handlungsfähig und somit verteidigungsfähig zu sein. Eine Notwehr- oder Verteidigungssituation stellt definitiv eine solche Hochstresssituation dar.  Des Weiteren leben wir heute in einer Zeit, die von Hektik, Stress und zunehmender Arbeitsverdichtung bestimmt ist. Regelmäßige Bewegung, Aktivität und körperliche Fitness sind daher besonders wichtig und bleiben oftmals aufgrund der genannten Faktoren auf der Strecke. Wenn sich dann also jemand dazu entschließt etwas für seine persönliche Sicherheit zu tun, bekommt der Trainierende bei uns das „Komplett-Paket oder besser noch das Rundum-Sorglos-Paket“, bestehend aus Ausdauertraining für das Herz-Kreislaufsystem, Kraft- und Kraftausdauertraining zur Stärkung des Bewegungsapparates, Stretching zur Aufrechterhaltung einer gewissen körperlichen Flexibilität und Mobilität und effektives Selbstverteidigungstraining in Form von Krav Maga. Denn schließlich haben die meisten Menschen heute eben nicht die Zeit um jeweils ein bis zweimal wöchentlich zum Krav Maga Training, ins Fitnessstudio und Joggen zu gehen. Aus diesem Grund integrieren wir alle genannten Elemente in unsere Kursprogramme.

LG: Welche Aus- und Fortbildungen hast Du im Krav Maga absolviert?

DT: Ich habe bei einem größeren deutschen Verband meine erste Krav Maga Instruktoren Ausbildung absolviert und dort auch im Advanced Bereich entsprechende Prüfungen abgelegt. Des Weiteren bin ich, ebenfalls bei einer weiteren deutschen Krav Maga Organisation Full Instructor.

LG: Was bedeutet Krav Maga Full Instructor

Der Krav Maga Full Instructor ist eine intensive und umfangreiche Ausbildung im Krav Maga. Jemand der eine solche Ausbildung absolviert hat zeichnet sich aus durch einen starken Willen und große Motivation. Entsprechend stehen während der intensiven Ausbildung zum Krav Maga Full Instructor neben körperlicher Fitness und ausgefeiltem Techniktraining vor allem Didaktik und Methodik im Vordergrund. Die Ausbildung zum Full Instructor unterliegt einem strukturierten, umfassenden Konzept, bei dem jeder Teilnehmer nochmals von Grund auf den Gesamtaufbau des trainierten Krav Maga Systems verinnerlicht. Das beginnt bei intuitiven Reaktionstechniken und geht weiter über spezielle Einzeltechniken und Angriffsszenarien bis hin zu der wesentlichen Frage, auf welche Art und Weise man Krav Maga am wirkungsvollsten unterrichtet. Die Trainingsmethodik reicht also weit über das übliche „Lernen am Modell“ hinaus und beinhaltet somit mehr als das übliche schlichte „Vormachen“ einer Technik im Training durch den Instructor, welche dann von den Teilnehmenden im Training nachgeahmt wird. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die instinktive Umsetzung des Erlernten in einer Gefahrensituation bzw. einer Hochstresssituation. Im Training wird der Full Instructor Anwärter (Trainee) immer wieder über körperliche Belastung unter hohen Stress gesetzt um dann das Erlernte abzurufen. Indem die Full Instructor Anwärter den Trainingsprozess selbst komplett durchlaufen, testen sie die Methodik auf ihre Wirksamkeit hin und erkennen die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehensweise. Für viele Anwärter ist das neu, da die meisten durch „Nachahmen“ gelernt haben, ohne oftmals zu verstehen, woher die innewohnenden Reaktionen überhaupt kommen. Wer die Ausbildung zum Krav Maga Full Instructor erfolgreich absolviert hat ist dann später in der Lage seinen Trainierenden oder Kursteilnehmenden die Techniken umfassend zu vermitteln sowie die dazugehörigen Reaktionsmuster zu erklären. Ein Krav Maga Full Instructor ist somit in der Lage Krav Maga auf höchstem Niveau zu vermitteln. Das Resultat sind zufriedene Mitglieder.

LG: Also ich muss schon sagen, dass Deine fachlichen Kenntnisse und Erläuterungen mich echt beeindrucken Was sind Deine weiteren Ziele im Krav Maga und mit Deiner Schule?

DT: Ich möchte selbst noch mit vielen guten Leuten trainieren und mich weiterentwickeln. Ich möchte immer wieder neue Impulse in meinen Trainingseinheiten setzen, um meinen Teilnehmenden ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Training anzubieten. Ich freue mich riesig darüber, wenn ich bei meinen Mitgliedern sowohl körperliche wie auch technische Fortschritte erkenne. Dann möchte ich meine Schule und mein Kursangebot in absehbarer Zeit erweitern und ausbauen. Des Weiteren möchte ich auch gerne noch den Nachwuchs fördern und Kindertraining anbieten. Das sind meine mittelfristigen Ziele!

LG: Dirk, ich danke Dir für dieses nette und überaus interessante Interview. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Freude mit Deinem Training und Deiner Schule. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen in der Fitnessbranche bin ich überzeugt, dass Du mit Deiner Einstellung und Deinem Konzept erfolgreich sein wirst.

DT: Vielen Dank, Lance. Es hat mir riesigen Spaß gemacht. Auch ich möchte mich herzlich bei Dir für die Gelegenheit dieses Interview führen zu dürfen bedanken.